Erzählender Bericht #5 zu Gaspard Buma

Performance von Gaspard Buma, 6. Oktober 2011
Ausstellungsraum Klingental, Basel CH (Recollecting the Act)
Interview: 6. Oktober 2011 (bm)
Transkription: 12. Oktober 2011 (dt)

„Das Angebot wäre eigentlich Sex, Drugs and Rock’n’Roll“

Bist du an eine Schweigepflicht gebunden?

IM: Nein, nein, wir dürfen, er darf nicht.

Er darf nicht?

IM: Erst nach fünf Jahren.

Wo steht das?

IM: Auf seinem Zettel.

Magst du darüber erzählen, was in diesem Zeitraum geschehen ist, als du in seiner Performance warst?

IM: Ja, das Angebot wäre eigentlich „Sex, Drugs and Rock’n’Roll“, wobei man die „Drugs“ selber mitnehmen müsste. Vielleicht wären sie auch dort. So viel Zeit bleibt aber nicht, das Material zu untersuchen. Es war natürlich alles freiwillig und auf Entscheidungsbasis, was man will und was nicht, und auf was man sich einigt. Es bleibt aber auch nicht viel Zeit, sich zu einigen. Es ging eigentlich zack-zack: Idee gehabt, Idee aufgenommen. So quasi: ja, ja, ja, machen wir, probieren wir aus und dann… Wir waren schnell fertig.

Wie lange habt ihr gebraucht?

Ich weiss nicht, eine Viertelstunde wäre für alles zur Verfügung gestanden, glaub ich. Einigung und Aktion. Fünf Minuten Einigung und zehn Minuten Aktion, aber die Person vor mir hat länger gemacht, also bleib weniger Zeit für die Entscheidung. Es war schwierig, denn es war gerade nahtlos. Die Person vor mir hat die Zeit wirklich ausgekostet. Am Anfang musste er sich echt fassen, um mir begegnen zu können.

Weisst du, was in der Performance vorher abgelaufen ist?

IM: Ein bisschen.

In was für eine Stimmung bist du hineingetreten?

IM: Die Stimmung? Er war ein bisschen… Wie sagt man dem? Als müsste er etwas verdauen.

Magst du darüber erzählen was in den zehn Minuten passiert ist?

IM: Bei uns?

Ja, oder magst du erzählen was dir durch den Kopf gegangen ist? Warst du gereizt? Hat es dir gefallen, warst du genervt? Fandest du, ah das kenne ich? Warst du überrascht?

IM: Die Spielregeln waren klar und ich hab es auch als Spiel genommen und mich nicht gross vorbereitet darauf. Ich hab mir vielleicht schon überlegt, auf was ich Lust hätte. Und das war ein Tanz und den haben wir gemacht. Nicht nur einen Tanz, denn es gab auch Gegenstände darin, also ein performativer Tanz. Weil wir beide PerformerInnen sind, fand ich auch, wir sollten beide aktiv sein. Er hat Hilfeleistungen, Zettel, die man ausfüllen kann: nackt oder nicht nackt, aktiv oder passiv. Was auf dem Zettel klar wurde, war, dass wir beide aktiv sein würden und Musik haben würden, bei beiden. Das Angebot vom Sex hab ich eigentlich ausgeschlagen…

Und der „Rock’n’Roll“, wo war der?

IM: Fein, im Tänzerischen, denke ich.

Welche Musik wurde gespielt?

IM: Er hat ein Stück vorgeschlagen. Ich fand, ja, doch…

Was war das für ein Stück?

IM: Eher so ein bisschen Balkanmusik, glaube ich… Etwas Beschwingtes, etwas Fröhliches.

Hat das irgend etwas angeklungen in dir? Dass du an eine andere Performance denken musstest oder dass du an gar nichts denken musstest oder in einem anderen Moment drin warst? Oder warst du im Moment drin?

IM: Ja, ich war sehr im Moment und nicht viel anderes.

Woran denkst du jetzt gerade?

IM: Vielleicht wäre es auch schön, ein wenig mehr Zeit zu haben. Eine halbe Stunde oder so. Vielleicht ist es aber auch genau gut, so kurz und bündig.

Vielen Dank!

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Über archivperformativ

archiv performativ: ein Modell: Ein Vermittlungs- und Ausstellungsprojekt von Performancekunst und ihren Artefakten im Ausstellungsraum Klingental, Kasernenstrasse 23, 4058 Basel / www.ausstellungsraum.ch Ausstellung vom 14. August bis 11. September 2011 Öffnungszeiten: Di. bis Fr. von 15 bis 18 Uhr, Sa. und So. von 11 bis 17 Uhr Der Ausstellungsraum dient rund zwanzig eingeladenen Künstler/innen, Kurator/innen, Forschenden, Dozierenden und ihren Student/innen aus dem In- und Ausland als Experimentierfeld, Forschungsstation und Aufenthaltsraum. Zentraler Aspekt dieser Anlage ist es, verschiedene methodische Zugänge und theoretische Ansätze im gegenseitigen Austausch der verschiedenen wissenschaftlichen und künstlerischen Felder zu erproben, zu diskutieren und in öffentlichen Veranstaltungen zu präsentieren – in gewisser Weise Forschung auch als performativen Vorgang zu betreiben. Öffentliche Präsentationen und Veranstaltungen: Freitag, 19. August, 26. August, 2. September und 9. September, jeweils um 18 Uhr Die Veranstaltungen am Ende jeder «Projektwoche» bieten die Gelegenheit, unmittelbar in die Forschungsarbeit Einblick zu nehmen und mit den Gästen ins Gespräch zu kommen. Das Spektrum reicht von Live-Performances über Filmvorführungen bis hin zu Vorträgen und moderierten Diskussionen. archivperformativ.wordpress.com/category/archiv-performativ-ein-modell/
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